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So heiratet man in Thüringen

Jede Region hat in Sachen Hochzeitsbrauchtümer ihre Eigenheiten – so auch das hübsche Bundesland Thüringen.

Wenn du deinem Partner / deiner Partnerin zwischen Nordhausen und Sonneberg das „Ja“-Wort geben möchtest, darf aus einem bunten Strauß lokaler Traditionen gewählt werden. Und so steuerst du den Hafen der Ehe auf thüringische Art an.

Stimmungsvoller als Safe-the-Date-Karten: der Hochzeitsbitter

Als Zeremonienmeister, Entertainer und lebendige Einladungskarten begleiten Hochzeitsbitter in Thüringen seit Jahrhunderten Eheschließungen. Liebst du es besonders traditionell, ist es möglich sie auch noch heutzutage zu engagieren. Die Bitter übernehmen bei den Feierlichkeiten nicht nur die Gestaltung des Tagesablaufs, sondern sind auch für die Einladung der Gäste zuständig. Einige Wochen vor der Trauung zieht der in traditioneller Tracht gewandete Hochzeitsbitter deshalb von Haus zu Haus. Jeder Eingeladene wird persönlich und mit einem kleinen Gedicht dazu aufgefordert, dem Brautpaar die Ehre zu erweisen und bei den Feierlichkeiten teilzunehmen. Bei nahestehenden Verwandten oder Freunden weicht der Hochzeitslader gerne vom Standard-Gedicht ab und foppt seine Zuhörer mit frech-charmanten Sprüchen. Die Eltern der Brautleute oder unverheiratete, ältere Geschwister werden von ihm bevorzugt aufs Korn genommen. Deshalb muss der Hochzeitsbitter von einem redegewandten Mann dargestellt werden, der mit den regionalen Gepflogenheiten in Thüringen bestens vertraut ist. Auch am Hochzeitstag sorgt er mit seinen lustigen, manchmal derben Darbietungen für Kurzweil.

Ein Spaß für alle unverheirateten Damen

Neigt sich die Hochzeitsfeierlichkeit kurz vor Mitternacht langsam dem Ende zu, wird in Thüringen der sogenannte Schleiertanz aufgeführt. Um die Braut herum formen alle anwesenden, noch nicht geehelichten Frauen einen Kreis. Die Musik erklingt und es wird ausgelassen getanzt. Verstummt die Kapelle, stürmen die Damen auf die Braut zu und versuchen ihr den Schleier vom Kopf und in Stücke zu reißen. Wer das größte Stück ergattert, ist angeblich die Nächste, die vor den Traualtar geführt wird. Ob diese Weissagung der Wahrheit entspricht, bleibt dahingestellt. Entscheidend ist, dass der Schleiertanz ein großes Gaudium für alle Anwesenden markiert. Denn auch die Zuschauer kommen auf ihre Kosten, veranstalten die Ledigen eine fröhliche Hatz um das größte Stück Stoff. Mancherorts wird der Schleier hingegen von der Braut zerrissen. Sie wirft die unterschiedlich großen Abrisse dann wahllos unter die Frauen. Auch hier gilt: wer das größte Schleierteil in Händen hält, heiratet bald. Letztere Methode wird in Thüringen vor allem dann angewandt, ist die Braut schwanger und möchte sie nicht von einer Horde Damen bestürmt werden.

Schwarz statt weiß

Bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es in Thüringen üblich, in einem schwarzen, edlen Brautkleid zu heiraten. Vielerorts wird diese Tradition heute wieder aufgelebt. Das hat mehrere Gründe. Das Brautkleid kann zum einen nach der Heirat wiederverwendet werden. Denn: der schwarze Stoff passt zu allen Anlässen. Bräute machen damit sowohl auf der Kindstaufe, wie auch bei einer Trauerfeier eine gute Figur. Zum anderen wollen viele Thüringer die alten Riten wieder neu beleben. Nicht das Standardweiß, sondern etwas Regionaltypisches zu tragen, hebt von der Masse ab. Brautpaare treten damit der Gleichmacherei der modernen Zeit bewusst entgegen. Ein weiterer, triftiger Grund, sich für das schwarze Kleid zu entscheiden, ist die Familientradition. Haben deine Mutter und deine Großmama schon in selbigem geheiratet, führst du mit einer Hochzeit in Schwarz dieses Brauchtum fort. Übrigens: Anders als in Bayern oder Baden-Württemberg zum Beispiel steht das schwarze Brautkleid in Thüringen nicht für eine „befleckte Heirat“. Die Farbe soll lediglich Gediegenheit ausstrahlen. Mit einer bereits bestehenden Schwangerschaft oder fehlender Jungfräulichkeit hatte und hat dieses Outfit nichts zu tun.

Typisch Thüringisch

Die Vielfalt der Hochzeitsbrauchtümer in Thüringen macht es für angehende Ehepaare leicht, ihrer Heirat einen regionalen Touch zu verleihen. Ob Hochzeitsbitter, Schleiertanz oder schwarzes Brautkleid – Nostalgietrauungen beziehungsweise Hochzeitsriten liegen im Trend. Schließlich dürfen Verwandte, Freunde und die anderen Gäste ruhig merken, wie gerne du in deinem Heimatbundesland lebst!

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