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Der Brautschleier: Was steckt dahinter?

Der Brautschleier: Was steckt dahinter?

Wer hinter dem Brautschleier steckt, ist ganz klar: die Braut natürlich. Aber was steckt historisch gesehen hinter dem Brauch, einen Schleier zu tragen? Heutzutage ist er meist nur noch ein modisches Accessoire, das mal mehr, mal weniger im Trend liegt. Doch welche Bedeutung hatte der Brautschleier ursprünglich? Wo kommt dieser Brauch her?

Es war einmal …

Erste Belege für die Existenz eines Brautschleiers finden sich bereits im antiken Rom. Seit dem 4. Jahrhundert spielte der Brautschleier auch im Christentum eine Rolle. Die Braut erschien am Tag der Hochzeit mit einem meist weißen Schleier vor ihrem Gesicht, den der Bräutigam vor dem Altar lüftete. Die Farbe Weiß galt schon damals als Symbol der Jungfräulichkeit. Das erklärt, warum bei der Schließung einer zweiten Ehe kein Brautschleier mehr zum Einsatz kam. Im Alten Rom waren die Schleier übrigens oft rot, denn die Farbe stand für Liebe, Feuer, Jugend, Leidenschaft, Hingabe und Treue – also den Bestand und den Zusammenhalt der Familie.

Ursprüngliche Bedeutung des Brautschleiers

Doch warum also wollte oder musste sich die Braut verschleiern? Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen stellte er ein Symbol der Trennung und des Abschiedes dar, immerhin verließ die Braut – oftmals noch sehr jung – ihr Elternhaus und ihre Familie. So konnte sie ihre Gefühle und Tränen unter dem Schleier verbergen. Zudem sprach man dem Brautschleier die Kraft zu, die zukünftig Vermählte vor bösen Geistern und Dämonen zu schützen, die auf ihrem Weg zwischen Elternhaus und Ehemann lagen. Hierbei sei noch angemerkt: Damals kannten viele Bräute ihren zukünftigen Ehemann vor der Hochzeit ja noch nicht, eine ideale Basis für Ängste, Zweifel und unangenehme Gedanken. Die Entschleierung erfolgte natürlich ausschließlich durch den Ehemann und zwar gegen Mitternacht. In dem Moment, in dem der Schleier abgenommen wurde, war die Trennung vom Elternhaus und der Mädchenzeit endgültig vollzogen. Jedoch durfte der Bräutigam den Schleier bereits vor dem Altar einmal lüften beziehungsweise zurückschlagen. Vielleicht, um sicherzugehen, dass ihm nicht die falsche Braut untergejubelt wurde.

Jede wie sie mag; erlaubt ist, was gefällt!

Dass Brautschleier heute nicht mehr ausschließlich dazu da sind, das Gesicht der Braut zu verhüllen, zeigen die vielen Varianten, die es gibt. Grundsätzlich gilt: Ist dein Brautkleid schlicht, wähle auch einen dezenten Schleier. Ist es eher auffällig, darf auch das Accessoire entsprechend ausgefallen sein. Brautschleier gibt es aus Tüll und Spitze, in ein, zwei oder mehreren Schichten und natürlich in allen denkbaren Längen. Dabei verdeckt der kürzeste gerade mal das Gesicht, der längste ist der sogenannte Kathedralen-Schleier: Er erreicht bis zu drei Meter Länge! Das mag umwerfend aussehen, aber praktisch ist es wohl eher eine Herausforderung. Natürlich ist es heutzutage auch gang und gäbe, ganz ohne Schleier zu heiraten und stattdessen einen schönen Kopfschmuck, natürliche Blumenkränze oder eine besonders schöne Frisur zur Schau zu tragen.

Unterhaltsames Hochzeitsspiel: der Schleiertanz

Ein Hochzeitsspiel mit langer Tradition ist der Schleiertanz. Es läuft meist so ab: Gegen Mitternacht betritt das Hochzeitspaar oder oft auch nur die Braut allein die Tanzfläche. Während sie zu einem besonders schönen Lied tanzt, versuchen die unverheirateten, weiblichen Gäste ein möglichst großes Stück vom Brautschleier abzureißen. Damit sichern sie sich eine schöne Erinnerung an die Feier. Zudem heißt es: Wer das größte Stück des Schleiers ergattern konnte, wird die nächste Braut. Da viele Bräute ihren Schleier natürlich nur ungern zerrissen sehen möchten, wird meistens ein großes Stück Tüll als Ersatz genommen.

… das ist mir schleierhaft!

Der Schleier begegnet dir in vielen anderen Wörtern und Redewendungen. Bei allen schwingt stets eine geheimnisvolle oder rätselhafte Bedeutung mit. Zum Beispiel das Adjektiv „schleierhaft“. Ist Dir etwas schleierhaft, bedeutet es, dass du es nicht verstehst. Blickst du „wie durch einen Schleier“, kannst du nicht richtig klar sehen. „Lüftet jemand den Schleier“, bedeutet es im übertragenen Sinne, dass er ein Geheimnis preisgibt. Eine neblige Mystik verbreiten die zarten Blütenstände des Schleierkrautes. Und die Schleierwolke besteht im Gegensatz zu dicken, satten Schäfchenwolken aus feinen, durchscheinenden und strukturlosen Eiskristallen.

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